EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärt die umstrittene Senkung der Leitzinsen

Georg Steiner
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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat letzte Woche erstmals seit fünf Jahren die Leitzinsen um 0,25 Prozent gesenkt. Dieser Schritt ist durchaus umstritten, daher rückte jetzt die Präsidentin höchstpersönlich aus, um die Details ihrer Überlegungen darzulegen.

Europäische Zentralbank

In einem Artikel, den die EZB und zahlreicher Medien veröffentlichten, nahm sie zu ihren Überlegungen Stellung. Sie lässt darin die Maßnahmen der EZB in den vergangenen Jahren noch einmal Revue passieren.

Fortschritte sind sichtbar


Ausschlaggebend für die Anhebungen war die hohe Inflation, doch da diese insgesamt zurückgeht, sei jetzt der Zeitpunkt gekommen, den Druck zu reduzieren. Laut Lagarde ist die Inflation auf gutem Wege, im nächsten Jahr den Zielwert von 2 Prozent zu erreichen. Dieser gilt seit jeher im Verständnis der EZB als Zielwert einer Preisstabilität.

Lagarde betonte das Kernziel der Währungshüter, das zur Hüterin des Euro macht. Stabile Preise könnten durch Zinssätze und Geldmenge mit beeinflusst werden, daher greift die EZB zu diesen Instrumenten.

Schuld sind Russland und die Lieferkettenprobleme


Als Grund für die stark gestiegene Inflation verweist Lagarde einmal mehr auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine. Dabei „vergisst“ sie allerdings zu erwähnen, dass die Preissteigerungen bereits vor Kriegsausbruch steil nach oben stiegen und einen Wert von 5 Prozent überschritten hatten. Ein weiterer Grund für die gestiegenen Preise sind nach Meinung von Lagarde die Lieferkettenprobleme, die während der Pandemie begonnen hatten.

Die Menschen in Europa dürfen sich nicht an eine hohe Inflation gewöhnen, betonte sie in ihrem Artikel. Daher müsse die EZB alles tun, um diese Gefahr zu vermeiden. Die Gefahren einer restriktiven Zinspolitik seien ihr bewusst, doch es sei die Pflicht der Währungshüter für Stabilität zu sorgen.

Die Lage bleibt vorerst unsicher


Die Inflation sei in drei Phasen bekämpft worden. Zunächst kam es zu einer raschen Anhebung der Zinsen. Danach hielt man das Niveau hoch, um jetzt langsam die Bremsen zu lösen. Eine rasche Zinssenkung kommt weiter nicht infrage, zu unsicher sei die Lage weiterhin.

Das wird die Märkte in Europa ebenfalls bremsen. Nicht nur Aktien und Anleihen, sondern auch Kryptos sind von der Zinspolitik abhängig. Schließlich sorgt billiges Geld dafür, dass Investoren ihr Augenmerk auf auch neue Coins, wie Playdoge richten und diese kaufen.

Doch die Fortschritte bei der Bekämpfung der Inflation sind deutlich sichtbar. Die Geldpolitik der EZB leiste dazu einen wichtigen Beitrag. Doch es werde noch eine Weile dauern, bis die Inflation dauerhaft auf altem Niveau verharren werde. Die Zinsen bleiben daher so lange restriktiv, bis die Preisstabilität wieder hergestellt sei.