Bedeutet die Zinssenkung der EZB die nächste Fehleinschätzung?

Georg Steiner
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Erstmals seit fünf Jahren sinken die Leitzinsen im Euroraum wieder. Die Europäische Zentralbank (EZB) prescht vor und überholt die amerikanische Fed. Doch welche Gefahren birgt der Schritt?

EZB Frankfurt Skyline

Die EZB war schon bisher nicht bekannt für ihre punktgenauen Analysen und Einschätzungen. Als die Inflation schon weithin sichtbar war, konnten die europäischen Währungshüter keine relevanten Preissteigerungen erkennen. Als sich diese nicht mehr leugnen ließen, bezeichneten führende Vertreter der EZB diese als vorübergehend.

Erste Zinssenkung seit 5 Jahren


Jetzt, da der Druck aus Politik und Wirtschaft immer größer wird, senkt die EZB die Zinsen, obwohl das selbst ausgegebene Ziel von 2 Prozent Inflation noch nicht erreicht ist, und die letzten Meter vor dem Ziel, laut eigener Aussage, am schwierigsten sind.

Die USA haben sich in der Wirtschaftsgeschichte immer wieder als verlässlicher Indikator erwiesen, wenn es darum geht, die richtigen Schritte zum richtigen Zeitpunkt zu setzen. Wenn die US-Notenbank Fed selbst in einem Wahljahr vorsichtig agiert, hat dies zumeist seine Gründe.

Doch nicht die Amerikaner, sondern die Europäer setzen diesmal den ersten Schritt und senken die Zinsen erstmals seit fünf Jahren. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man die „Begründung“ von EZB-Chefin Christine Lagarde bedenkt.

Inflation rauf, Zinsen runter?


Sie rügte zunächst ihre eigenen Analysten, dass deren Prognosen nicht eingetroffen wären, muss daraufhin die Inflationsprognosen für die nächsten Jahre anheben und senkt trotzdem die Zinsen.

So werden die Preise im Euroraum 2024 um 2,5 Prozent steigen, statt, wie bisher angenommen, um 2,3 %. Für das nächste Jahr erwarten die Währungshüter eine Inflation von 2,2 % statt, wie bisher angenommen, um 2,1 Prozent und erst im Jahr 2026 soll das Ziel von 2 Prozent erreicht werden.

Die Märkte freut die Zinssenkung jedenfalls, sie haben diese bereits eingepreist. Gleichzeitig eröffnen sich so neue Chancen für neue Coins wie Base Dawgz, die sich verstärkt auf die Suche nach Anlegern machen.

Droht die Reflation?


Diese wenig konsistente Argumentation lässt Befürchtungen aufkommen, dass die EZB zu früh gehandelt hat und damit riskiert, dass es zu einer Reflation kommt. Dabei würde das Pendel zurückschlagen und die Inflationsraten wieder nach oben treiben.

Damit wären die Wirtschaftspolitik wieder in jenem Kreislauf aus Geldmengenausweitung und künstlichem Wirtschaftswachstum gefangen, der schon einmal die Preise massiv nach oben getrieben hat.