Die EZB macht sich bereit für die erste Senkung der Leitzinsen

Georg Steiner
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Zwei führende Vertreter der Europäischen Zentralbank geben grünes Licht für eine Senkung der Leitzinsen im Euroraum. Diese dürfte, wie erwartet im Juni kommen.

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  • Was hält die EZB-Direktorin für wahrscheinlich?
  • Besteht die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale?
  • Was schlägt der EZB-Chefvolkswirt vor?

Die Inflation aufhalten

Den Anfang macht die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel. In einem Interview mit der Tagesschau. Sie galt lange Zeit als Verfechterin einer restriktiven Hochzinspolitik, um die Krise zu bekämpfen. Jetzt bezeichnete sie eine Zinssenkung im Juni als wahrscheinlich.

Isabel Schnabel glaubt an den Start im Juni


Sollte die Inflation auf die angepeilten zwei Prozent zurückkehren, dann wird die EZB die Zinsen voraussichtlich senken, sagte sie. Damit sollten sich die Marktpreise für Kredite bereits im Vorfeld anpassen, schließlich erwarten die Märkte diese Zinssenkung.

Doch sie sieht die Inflation weiterhin als hartnäckig an; die EZB möchte die Entwicklung daher weiterhin genau beobachten. Schnabel warnte davor, zu schnell vorzugehen, um die Zinsen nicht zu schnell zu senken.

Sie schätzt die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale als gering ein

Sie hofft, dass es weiterhin gelingt, die Preissteigerungen einzubremsen, ohne dass es zu einer Rezession kommt. Allerdings gab sie zu, dass es im vergangenen Jahr zu einer Stagnation gekommen war. Schnabel sieht nur eine geringe Gefahr, dass es zu einer Lohn-Preis-Spirale kommt; sie sieht die aktuelle Situation nicht vergleichbar mit jener aus den 1970er Jahren.

Schnabel zeigt sich jedenfalls optimistisch, dass die Inflation im Jahr 2025 wieder auf 2 Prozent zurückgehen wird.

Der Chefvolkswirt gibt ebenfalls grünes Licht


Ins gleiche Horn stößt auch der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Philip Lane. Er bekräftigte in einem Interview mit der Financial Times den von Schnabel skizzierten Weg. Lane erteilte all jenen Stimmen eine Absage, die von der EZB einen überraschenden Schritt erwarten.

Die Märkte gehen jedenfalls davon aus, dass die EZB die Leitzinsen in ihrer nächsten Sitzung am 6. Juni um 0,25 Prozent absenken wird. Das wäre ein erster kleiner Schritt hin, auf dem Weg zu einer Normalisierung. Die Märkte wären zufrieden, ohne dass es gleich zu einer dramatischen Zinssenkung käme. Diese könnte den Euro abwerten und die Inflation neuerlich befeuern. Das wollen die Währungshüter unter allen Umständen verhindern.

Der Kryptomarkt wird sich jedenfalls freuen. Niedrigere Zinsen bedeuten mehr Risikobereitschaft und damit fließt mehr Kapital zu den Kryptos. Davon dürften nicht nur bestehende, sondern auch neue Coins wie Dogeverse profitieren.