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Grapevine CEO Martin Tiani im Interview mit de.CryptoNews

Martin Tiani,

Grapevine World, ein Österreichisches Unternehmen möchte das Gesundheitswesen revolutionieren. Der internationale IT-Dienstleister etabliert gemeinsam mit der IHE (Integrating the Healthcare Enterprise) Standards. Gemeinsames Ziel ist es die weltweite Interoperabilität von IT-Systemen im Gesundheitswesen voranzutreiben.

Grapevine möchte Patienten weltweit den raschen Zugriff auf ihre medizinischen Daten ermöglichen. So können Mehrfachbehandlungen verhindert werden. Der Patient kann über alle Grenzen hinweg Expertenmeinungen zu seiner Diagnose einholen. Wer seine Daten anonymisiert der Forschung zur Verfügung stellen möchte, kann das tun und tauscht diese gegen Produkte oder Dienstleistungen ein. De.CryptoNews.com hat mit CEO Martin Tiani gesprochen.

Vielen Dank für Ihre Zeit. Ihr Unternehmen Grapevine World möchte es Usern ermöglichen, die eigenen Gesundheitsdaten Unternehmen zugänglich zu machen. Welche Vorteile würde das einem Kunden bieten?

Auch von unserer Seite, vielen Dank für dieses Interview.

Unser Ziel ist es, jedem Nutzer die volle Kontrolle über seine Gesundheitsdaten zu ermöglichen. Wie er seine Gesundheitsdaten nutzt, bleibt zu jeder Zeit ihm selbst überlassen. Der wichtigste Punkt dabei ist, dass der Nutzer beziehungsweise Patient zum ersten Mal die Übersicht und Kontrolle über all seine weltweit erstellten Gesundheitsdokumente erhält.

Welche Vorteile bringt ihm das? Der Patient kann per Knopfdruck sein Röntgenbild, das im Krankenhaus erstellt wurde, an einen Spezialisten beziehungsweise Arzt seiner Wahl für die Weiterbehandlung weiterleiten. Dieser kann sich durch die Freigabe sofort ein genaues Gesundheitsbild machen. Das beseitigt unnötige und kostspielige administrative Aufwände und die Ärzte können sich auf das konzentrieren, was am wichtigsten ist: ihre Patienten.

Entscheidet sich ein Kunde aktiv, einem Unternehmen seine Daten anonymisiert für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen, hilft er dabei aktiv, Krankheiten weiter zu erforschen und schlussendlich zu heilen und somit Leben zu retten.

Wir speichern dabei keine Gesundheitsdaten, die Daten bleiben stets an ihrem Ursprungsort. Wir stellen die Verbindung zwischen den verschiedenen Systemen her und überwinden so das Interoperabilitätsproblem. Dies erreichen wir dezentralisiert durch die Nutzung der IHE-Methodik, die bereits für mehr als 300 Millionen medizinische Datensätze zur Anwendung kommt.

Welche Art von Daten lassen sich in diesem System freigeben?

Prinzipiell lassen sich alle Gesundheitsdaten freigeben. Diese müssen nur in einer IHE-Umgebung gespeichert sein. Durch die IHE-Kompatibilität der Grapevine App können neben den klinischen Daten also auch Fitness-Daten, die von den Usern – im Gegensatz zu klinischen Daten – selbst erstellt werden (etwa durch Fitnessuhren oder -armbänder etc.), abgespeichert und freigegeben werden.

Wie kann ein User die Weitergabe seiner Daten genau einschränken?

Der Nutzer kann jederzeit Zugriff zu seinen anonymisierten Gesundheitsdaten gewähren und diesen auch wieder entziehen. An dieser Stelle spielt Blockchain ihren Nutzen aus, diese ermöglicht im Vergleich zu anderen Systemen einen sogenannten „immutable audit trail“. Es ist also zu jeder Zeit lückenlos sichtbar, wer wie auf die entsprechenden Gesundheitsdaten zugegriffen hat.

Der Patient hat zukünftig die Möglichkeit, über die Grapevine App oder das Grapevine Portal, jedes einzelne Dokument freizugeben, oder eben nicht. Somit hat dieser immer die volle Kontrolle über seine Gesundheitsdaten. Jeder Patient muss, bevor er im Grapevine Backbone angelegt wird, ein aktives Behandlungsverhältnis eingehen.

Die Kunden werden in Token von Grapevine World entlohnt. Wie kann sich ein User seine Tokens auszahlen lassen?

Der Token dient primär als Belohnungsinstrument innerhalb unseres Ökosystems. Beispielsweise erhält der Nutzer für die Freigabe seiner anonymisierten Daten für eine Forschungsstudie eine gewisse Anzahl an Tokens, welche er dann selbst wiederum für eine Expertenmeinung oder andere Services im Gesundheitsbereich nutzen kann.

Darüber hinaus planen wir, unseren Token an diversen Kryptobörsen zu listen, es ist also auch jeder Zeit möglich, den Token frei zu handeln. Dies bedeutet auch, dass der Wert des Tokens über Angebot und Nachfrage an den Börsen bestimmt wird.

Welche Kooperationspartner sind zum jetzigen Zeitpunkt eingebunden und was bieten sie Usern an?

Je nach Kooperationspartner sieht die Zusammenarbeit ganz unterschiedlich aus. Beispielsweise arbeiten wir gemeinsam mit Microsoft, der Universität von Southampton und Tiani Spirit an einem Pilotprojekt, im Rahmen dessen wir die Vorteile unserer Infrastruktur aufzeigen.

Die Partnerschaft mit Telekom Deutschland ist primär technologischer Natur, umfasst aber auch gemeinsame Auftritte und Marketingaktionen.

Natürlich arbeiten wir auch an weiteren Pilotprojekten, die sich gegenwärtig aber noch in der Planungsphase befinden.

Können die Tokens auch dafür eingesetzt werden, Leistungen von Spezialisten über das Netzwerk zuzukaufen?

Definitiv. Die Tokens sind primär für solche Leistungen gedacht: Zugang zu einem globalen Expertennetzwerk, das Einholen von Zweitmeinungen, aber auch das Bezahlen von Untersuchungen und Operationen, Gadgets wie Fitnessuhren, Pulsmessern etc. Somit entsteht mit Hilfe der Tokens ein eigener Wirtschaftskreislauf. Am Ende profitieren alle Stakeholder von der Nutzung.

Sie haben Ihr Geschäftsmodell potentiellen Investoren mit Hilfe eines ICO´s vorgestellt. Dieses ist bereits beendet. Wie bilanzieren Sie Ihren ICO?

Unser ICO hat zwei verschiedene Erkenntnisse gebracht.

Wir haben überwältigendes Feedback vom Markt und der Healthcare-Community erhalten. Das lässt sich auch daran beobachten, dass wir alleine in den letzten Monaten Microsoft, Telekom Deutschland und weitere namhafte Partner mit dem Konzept überzeugen konnten und uns mittlerweile mit zwei Pilotprojekten intensiv beschäftigen.

Auf der anderen Seite muss man aber auch ganz klar sagen, dass wir unser Finanzierungsziel mit der Krypto-Community alleine nicht hätten erreichen können. Das Feedback war zu jeder Zeit positiv, das Investitionsvolumen jedoch war nur gering und lag unter unseren Erwartungen.

Unser erreichtes Finanzierungsziel in Höhe von 30 Millionen Dollar basiert also zu großen Teilen auf Mitteln von Partnern aus der Industrie, institutionellen Investoren und nur zu einem geringen Teil aus der Krypto-Community.

Sehen Sie die Gefahr, dass die zentrale Datenbank, auf der die ELGA Daten liegen, in ferner Zukunft ebenfalls beginnt, nach Freigabe durch die Patienten, diese Daten zu verkaufen. Erste Ansätze des Staates gab es ja schon in Richtung Weitergabe von anonymen Daten an Forschungseinrichtungen.

Die ELGA Daten liegen nicht auf einer zentralen Datenbank. ELGA-Gesundheitsdaten wie Entlassungsbriefe oder Befunde werden – wie bisher auch – dort gespeichert, wo sie entstehen (z. B. Spital, Ordination, Labor). Einzig Medikationsdaten werden in einer Datenbank beim Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger zentral und in verschlüsselter Form gespeichert.

Davon abgesehen, sehen wir in ELGA ohnehin keine Konkurrenz. Im Gegenteil: ELGA ist auf denselben Grundlagen aufgebaut wie Grapevine World – der IHE-Methodik zur Standardisierung des Austausches von Gesundheitsdaten. Wir sehen ELGA hier also als potenziellen Knotenpunkt für Grapevines Infrastruktur. Unabhängig davon möchte ich abschließend betonen, dass die Zustimmung durch den Patienten die wichtigste Grundvoraussetzung und Prämisse ist und bleiben muss.

Vielen Dank für das Gespräch!

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