17 Sep 2022 · 3 min read

Zu hoher Energieverbrauch: US-Regierung überlegt Bitcoin Verbot

Welche Auswirkungen auf Klima und Energieverbrauch haben Krypto-Assets in den USA? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Strategiepapier der amerikanischen Regierung. Die Vorschläge, die aus diesen Überlegungen resultieren, reichen bis zu einem Verbot von Bitcoin.

Die Veränderung des Weltklimas gilt als eines der drängendsten Probleme unserer Zeit. Kein Wunder also, dass auch das Schürfen von Kryptowährungen immer wieder ins Visier jener gerät, die den Ausstoß von Treibhausemissionen verringern möchten.

Bitcoin gefährdet die Klimaziele der USA

Doch, um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, dass neue Technologien mit sauberer Energie arbeiten und diese effizient eingesetzt wird. Gleichzeitig nimmt die Verwendung von digitalen Vermögenswerten zu, doch diese benötigen jede Menge Energie, vor allem beim Schürfen.

Hier sieht die US-Regierung unter Präsident Joe Biden die Gefahr, dass ein weiterhin rasches Ansteigen des Wachstums das Erreichen der US-Klimaziele gefährden könnte. Diese sehen schließlich eine Netto-Null-Verschmutzung vor.

Schon im März hatte Joe Biden in einer Executive Order klargestellt, dass die Entwicklung digitaler Vermögenswerte auch die Verringerung der negativen Klimaauswirkungen und der Umweltverschmutzung beinhalten müsse. Damals forderte seine Behörden auf, einen entsprechenden Bericht zu verfassen.

Krypto benötigt bis zu 240 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr

Nun liegt dieser vor und der hat es in sich. Er beschreibt, dass Krypto-Assets sehr intensiv sind. Der jährliche Stromverbrauch des Kryptosektors hat sich in vier Jahren vervierfacht. Der globale Stromverbrauch liegt laut Schätzungen bei 120 bis 240 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Das ist mehr als Länder wie Argentinien oder Australien benötigen.

Krypto benötigt also so viel Strom wie alle konventionellen Rechenzentren dieser Welt, das sind zwischen 0,4 und 0,9 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Der Großteil dieses Bedarfs wird für das Minen und die Verifizierung von Krypto-Assets benötigt. Im August sollen so zwischen 60 und 77 Prozent des weltweit benötigten Stroms für Kryptowährungen auf Bitcoin entfallen sein, Ethereum benötigte 20 bis 39 Prozent.

Würde man alle Kryptowährungen auf Proof of Stake umstellen, könnten man den Stromverbrauch auf 1 Prozent des heutigen Verbrauchs senken. Der Bericht empfiehlt daher folgende Maßnahmen:

Proof of Stake statt Proof of Work

Die USA sollten einen Prozess einleiten, der Umweltstandards für die Entwicklung und Nutzung von Krypto-Technologien vorschreibt. Gleichzeitig stellt der Bericht den Kryptounternehmen die Rute ins Fenster. Erweisen sich die Standards als nicht unwirksam, sollte die Regierung überlegen, die Verwendung von energieintensiven Konsensmechanismen zu unterbinden. Das würde nach heutigem Stand ein Verbot von Bitcoin bedeuten.

Gleichzeitig empfiehlt der Bericht die verstärkte Sammlung von Daten, um faktengestützt Entscheidungen über den Energieverbrauch und die Auswirkungen auf das Klima treffen zu können. Die Regierung sollte Energiesparstandards für das Minen und die Blockchains veröffentlichen und regelmäßig aktualisieren. Weiters sollten die Miner und die Ausrüster dazu ermutigt werden, Daten über ihre Standorte und ihren Stromverbrauch zu veröffentlichen.

Explizit nennt das Strategiepapier immer wieder Bitcoin und Ethereum. Letzteres steht vor seinem Merge und einer Umstellung auf Proof of Stake. Damit sollte der Energieverbrauch von ETH drastisch sinken. Doch Bitcoins Erfolgsgeheimnis liegt eben genau in seinem Proof of Work-Prinzip. Eine Umstellung erscheint schwer vorstellbar, daher wird die Kryptowährung auch weiterhin ins Visier der Umweltschutzbewegung geraten.

Auch in Europa gab und gibt es immer wieder Überlegungen, Bitcoin zu verbieten. Zwar wurde ein Verbot erst zu Beginn des Jahres abgewendet, doch die Bestrebungen laufen im Hintergrund weiter. Gut möglich, dass Europa angesichts der vorherrschenden Energiekrise einen neuen Vorstoß zum Verbot von Bitcoin erlebt.