Wie wahrscheinlich ist eine Rückkehr zum Inflationsziel von 2 Prozent?

Georg Steiner
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Aus dem angestrebten Sprint ist ein Dauerlauf geworden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Probleme, zu ihrem Inflationsziel von zwei Prozent zurückzukehren. Nehmen die Notenbanker dies zum Anlass, um langfristig höhere Inflationsraten zu akzeptieren?

Inflation

Wie so oft in Finanzkrisen hat die amerikanische Notenbank schneller und härter reagiert als die EZB. Als man die Inflation in Europa zunächst noch ignorierte, bzw., zu einem vorübergehenden Phänomen erklärte, packte die Fed bereits die großen Waffen aus. Diese bestehen traditionell darin, das Konsumverhalten und die Wirtschaftsleistung einzubremsen.

Europa wurde neuerlich abgehängt

Das passiert durch eine Erhöhung der Leitzinsen, die Kredite verteuern und so die Menschen dazu bringen weniger Geld auszugeben, was die Produktion in Folge einbremst. Nach zehn Leitzinserhöhungen hintereinander ist die Inflation in den USA bereits deutlich gesunken, während sie in Europa auf hohem Niveau verharrt.

Aus der Geschichte ist bekannt, dass eine Politik des teuren Geldes erst mit einer Verzögerung wirksam wird, man kann also davon ausgehen, dass der Effekt in den USA weiterwirken wird. In Europa betont die EZB-Präsidentin Christine Lagarde weiterhin, dass sie an einem Inflationsziel von zwei Prozent festhalten möchte.

Rücksicht auf finanzschwache Staaten?

Immerhin zählt die Preisstabilität zu einer Kernaufgabe der EZB. Doch manche Beobachter zweifeln daran, dass dies gelingen wird. Schließlich muss die Notenbank auf die finanziell angeschlagenen Euro-Staaten Rücksicht nehmen. Kommt ein Staat wie Italien ins Schlingern, könnte dies ungewollte Auswirkungen auf die gemeinsame Währung haben und den Euro ins Schleudern bringen.

Daher werden die Vertreter einer lockeren Geldpolitik alles tun, um die Zinssteigerungen in Kürze zu stoppen. Gründe dafür gibt es durchaus. Die Banken bekommen derzeit Probleme, weil viele Risiken schlagend werden. Die sicher geglaubten Staatsanleihen verlieren an Wert, weil Investoren jetzt höher verzinste Anleihen kaufen. Immobilien beginnen an Wert zu verlieren, weil die hohen Zinsen Kreditaufnahmen schwieriger machen.

Dazu kommen noch die hohen Staatsschulden, die durch Pandemie und Energiekrise weiter angewachsen sind. Gleichzeitig schwächt die hohe Inflation den Konsum und die Investitionen, die wiederum die Steuereinnahmen drücken. Zu guter Letzt steht die Wirtschaft vor einem radikalen Umbau ihrer Energieversorgung und muss gleichzeitig auf Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit achten. Das verursacht enorme Investitionen, deren Erfolg noch lange keine ausgemachte Sache ist.

Auf lange Sicht hohe Inflation?

Angesichts dieser finanziellen Herausforderungen könnte die EZB dazu übergehen, höhere Inflationsraten zu akzeptieren und dies mit einer „Alternativlosigkeit“ argumentieren. Das wären allerdings keine guten Nachrichten für das ohnehin schon instabile Finanzsystem. Dieses blockiert Finanz-Innovationen, wie sie das Kryptoverse seit Jahren hervorgebracht hat.

Hier sind längst KI-unterstützte Coins wie Wall Street Memes auf dem Markt, die Entwicklung und Innovation vorantreiben. Wenn die EZB jedoch das reinigende Gewitter weiter vor sich herschiebt, dann droht die Gefahr einer neuen Finanzkrise. Damit wäre niemanden geholfen, daher hoffen die Falken in der EZB, dass der Kurs der steigenden Zinsen vorerst weitergeht.