Was ist ein wirtschaftlicher Superzyklus?

Georg Steiner
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Angesichts der weiter anhaltenden Wirtschaftskrise, die von hoher Inflation und geringem Wirtschaftswachstum geprägt ist, hört man immer öfter vom Ende eines wirtschaftlichen Superzyklus. Doch was versteht man darunter?

Wirtschaft Superzyklus

Dabei handelt es sich um einen langfristigen Aufschwung der Wirtschaft, der über mehrere Konjunkturzyklen anhält. Diese Phase zeichnet sich durch ein nachhaltiges Wachstum aus, das alle konjunkturellen Schwankungen übersteht. Üblicherweise dauert ein herkömmlicher Zyklus einige Jahre.

Innovation treibt den Aufschwung

Dabei durchläuft er sowohl eine Aufschwung- als auch eine Abschwung-Phase. Im Gegensatz dazu dauert ein Superzyklus jedoch mehrere Jahrzehnte lang an. In dieser Phase verzeichnet die Wirtschaft ein überdurchschnittliches Wachstum, angetrieben von einer starken Nachfrage und hohen Investitionen. Damit einher gehen steigende Gewinne.

Ein Superzyklus wird durch verschiedene Veränderungen in der Wirtschaft hervorgerufen. Das können technologische Innovationen ebenso sein, wie die demografische Entwicklung, oder politische Entscheidungen, die dazu führen, dass ein langfristiger Aufschwung beginnt. Wenn in Folge auch noch die Stimmung an den Märkten diese Entwicklung stützt, kommt es zu einer selbstverstärkenden Dynamik.

Nicht wenige Experten gehen davon aus, dass wir uns derzeit am Ende eines Superzyklus befinden. Zahllose technische Innovationen und eine Kommerzialisierung vieler Bereiche des täglichen Lebens haben in den letzten Jahrzehnten zu einem unvergleichlichen Aufschwung geführt. Dieser erfasste nicht nur die westliche Welt, sondern zahlreiche aufstrebende Länder, die mithilfe enormer Wirtschaftswachstumsraten den Status von Entwicklungsländern hinter sich gelassen haben.

Beispiele aus der jüngeren Geschichte

Ein gutes Beispiel für diese Entwicklung waren Kryptowährungen. Was als Alternative zu herkömmlichen Währungen im Zug der letzten Finanzkrise entwickelt wurde, hat sich zu einem eigenen Geschäftszweig entwickelt, der beständig neue Innovationen auf den Markt wirft. Zuletzt überzeugte der KI-gestützt Coin Wall Street Memes, der in seinem Presale Meilenstein um Meilenstein erreicht.

Zuvor hatte bereits das Internet für einen unglaublichen Technologieboom gesorgt. Während mit der Erfindung der Personal-Computer die ersten Tech-Giganten entstanden befeuerte das Netz diesen Trend noch einmal gewaltig. Die Informationstechnologie wuchs zur größten und wichtigsten Branche der Welt heran und löste herkömmliche Industrien ab. Die Nachfrage explodierte, die Umsätze trieben die neu entstandenen Konzerne in ungeahnte Höhen.

Schon die Nachkriegszeit hatte zuvor für ein Wirtschaftswunder gesorgt. Nach dem Zweiten Weltkrieg überwog die Zuversicht auf gute Zeiten. Der Wiederaufbau, gepaart mit technischen Innovationen führte zu einem enormen Anstieg der Produktivität. Zahlreiche Industrieländer erlebte eine starke Expansion ihrer Wirtschaft, der Sozialstaat entstand. Ein wesentlicher Faktor in diesem Zusammenhang waren auch stabile politische Verhältnisse. Sie sorgen für Investitionen- und Rechtssicherheit.

Auf die Party folgt die Ernüchterung

Was sich lange Zeit wie eine nicht enden wollende Party anfühlt, birgt jedoch auch Risiken in sich. Dauert ein Zyklus zu lange, besteht die Gefahr, dass zu viele Geld in Investitionen fließt, die sich nicht rechnen. Kommt es dann, so wie aktuell zu einer Zinspolitik, die darauf ausgerichtet ist, die Geldentwertung zu stoppen, geraten jene Unternehmen, die auf billiges Geld gebaut haben, in Schwierigkeiten. 

Wirtschaftliche Blasen platzen, die überhitzte Wirtschaft kühlt sich ab. Ein Superzyklus verzerrt den Blick auf das Wesentliche und wird durch knappe Ressourcen, Umweltprobleme und politische Spannungen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Das war in der Vergangenheit immer dann so, wenn Akteure am Markt versuchten, die Grundprinzipien auszuhöhlen, oder davon überzeugt waren, dass diesmal alles anders wäre.

Gewaltige Herausforderungen warten

Derzeit steht die Wirtschaftswelt vor gewaltigen Herausforderungen. Lieferketten müssen neugestaltet werden, Konsumente und Politik fordern nachhaltiges Wirtschaften und Rücksicht auf Klima- und Umweltschutz. Gleichzeitig erlebt die Welt wieder verstärkte Konflikte zwischen den Supermächten und Nationen. Das wirkt sich in einer global vernetzten Wirtschaft stärker aus als je zuvor in der Geschichte.

Wenn der nächste Wirtschaftsaufschwung langfristig wirken soll, dann muss ein Schwerpunkt in der Förderung von Forschung und Innovation liegen. Nur so kann ein neuer Superzyklus entstehen, der für Wohlstand in den Nationen sorgt.