In Deutschland wird Bargeld abheben immer schwieriger

Georg Steiner
| 2 min read

Das liegt derzeit nicht nur an den anhaltenden Problemen der Postbank in Berlin, sondern auch an den Plänen des Eigentümers. Die Deutsche Bank möchte rund die Hälfte aller Filialen der Postbank schließen.

Bargeld abheben

Als Grund gibt der Bankenriese Kosteneinsparungen an. Dabei sollte das Abheben von Bargeld eigentlich kein Luxus für die Kunden sein, doch eine entsprechende Bankfiliale zu finden, wird in Zukunft immer schwieriger. Der Kampf gegen das kostenintensive Bargeld hat also neuerlich an Fahrt aufgenommen.

Kahlschlag im ganzen Land


Die Kunden der Postbank müssen also in Zukunft auf zahlreiche Filialen verzichten, auf sie kommt ein starker Einschnitt im Filialnetz zu. Laut den Plänen der Deutschen Bank sollen in den nächsten 33 Monaten bis zu 250 Zweigstellen der Banktochter schließen. Dann würden von den derzeit noch 550 landesweit existierenden Postbank-Filialen rund 300 übrig bleiben.

Das würde für zahlreiche Kunden längere Wege oder Anfahrten bedeuten, wenn sie zu ihrem Bargeld kommen wollen. Laut der Deutschen Bank ist die Nachfrage nach persönlichen Leistungen vor Ort weiter gesunken, daher passt man die Struktur jetzt an die geänderten Gegebenheiten an. Dann wird es bundesweit nur noch 300 Filialen der Postbank geben, in 200 dieser Standorte sollen die Kunden weiterhin Post- und Paketdienstleistungen vorfinden.

Die Standorte stehen noch nicht fest

Die von der Schließung betroffenen Standorte werden erst in Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretungen festgelegt. Damit nicht genug, plant die Deutsche Bank auch ihre eigenen Standorte einer kritischen Überprüfung zu unterziehen.

Diese Strategie passt in ein Bild, in dem das Bargeld immer weiter zurückgedrängt wird. Bargeldloses Zahlen wird allerorts propagiert, argumentiert wird jetzt nicht nur mehr mit den hohen Kosten, oder der Geldwäsche, sondern auch mit Hygiene. Die Europäische Zentralbank arbeitet längst an einem digitalen Euro, der das Portfolio bargeldloser Zahlungsmöglichkeiten erweitern und in Konkurrenz zu Kryptowährungen treten soll.

Diese lassen sich von diesen Entwicklungen jedoch wenig beeinflussen und setzen auf ihre Innovationskraft. Noch immer treten regelmäßig neue Projekte wie Meme Kombat in den Markt ein und machen sich auf die Suche nach Anlegern.

Die Beliebtheit von Bargeld sinkt


All das passiert, obwohl Bargeld immer noch eine beliebte Zahlungsmethode in Deutschland ist. 44 Prozent der Befragten einer aktuellen Studie bevorzugen Bargeld, obwohl die Kartenzahlungen mit 43 Prozent bereits knapp dahinter liegen. Doch der Anteil der Bargeld-Fans sinkt, das zeigt Auswirkungen.

In einer Filiale in Frankfurt können Kunden kein Bargeld mehr einzahlen, Grund dort ist allerdings der Personalmangel, der sich auch in der Bankenbranche bemerkbar macht. Doch welche Auswirkungen ein voll elektronischer Zahlungsverkehr bei Problemen hervorruft, müssen die Kunden der Postbank in Berlin jetzt neuerlich erfahren.

Dort scheint die Integration der IT-Systeme in jene der Deutschen Bank immer noch nicht fehlerfrei abgeschlossen zu sein. Gesperrte Konten, fehlerhafte Überweisungen und falsche Abbuchungen treiben die Kunden in Berlin noch immer zur Verzweiflung. Bargeld kann in solchen Situationen Abhilfe schaffen, doch der Weg zur Abkehr scheint immer weiter fortzuschreiten.