Der Billiganbieter Temu setzt den Onlinehandel unter Druck, geht es jetzt Amazon an den Kragen?

Georg Steiner
| 2 min read

Online Shopping

Der Exportweltmeister Deutschland erobert seit Jahrzehnten Märkte in aller Welt. Doch jetzt bekommt der Handel die Macht des chinesischen Anbieters Temu zu spüren. Experten sehen sogar Marktführer Amazon bedroht.

Viertgrößter Online-Marktplatz in Deutschland


Wie das Handelsblatt berichtet, ist Temu zum viertgrößten Online-Marktplatz in Deutschland aufgestiegen. Der chinesische Online-Händler liegt nur noch knapp hinter Otto auf Platz vier. Amazon führt die Rangliste vor Ebay an.

Doch das könnte sich bald ändern, schließlich hat Temu einen bisher noch nie gekannten Siegeszug hinter sich gebracht. Jeder vierte Deutsche hat schon einmal bei Temu eingekauft und das, obwohl es die Plattform erst seit dem Jahr 2023 in Deutschland gibt.

Der Exportweltmeister gerät unter Druck


Damit bekommt Deutschland zunehmend die Folgen der Globalisierung in umgekehrter Richtung zu spüren. Was der Bundesrepublik in Hinsicht auf Exporten hilft, schadet ihr nun im Handel. Doch dieser hat sich längst von regionalen Grenzen verabschiedet, das beweist auch das Kryptoverse. Neue Coins wie Bitcoin Minetrix suchen und finden ihre Investoren weltweit.

Gegründet im Jahr 2015, wagte man 2022 den Sprung in die USA und 2023 nach Europa. Seither ist nichts mehr so, wie es einmal war. Temu nutzt Zoll- und Porto-Bestimmungen aus, die den günstigen Versand von China aus ermöglichen.

Ein Drittel des Preises


Zwar dauert der Versand länger als von Online-Shopping-Riesen wie Amazon gewohnt, doch die Preise sind unschlagbar. So kosten viele Produkte gerade einmal ein Drittel jenes Preises, den man in Deutschland vom Online-Shopping gewohnt ist.

Damit nicht genug, scheinen die Waren identisch mit jenen zu sein, die hierzulande deutlich teurer verkauft werden. Offenbar stammen sie aus denselben Fabriken in China, bei denen die Hersteller produzieren lassen.

Perfekte Online-Vermarktung

Der Kern des Erfolgs von Temu liegt in der exzessiven Vermarktung. Die App scheint aktuell überall platziert zu sein, der Werbung können Konsumenten kaum mehr entkommen. Wer bei Temu einkauft, findet eine bunte Welt vor, die vor Rabatten, Aktionen und maßgeschneiderten Angeboten nur so wimmelt.

Das chinesische Unternehmen verzichtet auf Zwischenhändler und liefert direkt vom Produzenten. Diese bezahlen an Temu für die Vermarktung ihrer Produkte, und diese ist tatsächlich ausgezeichnet. Basis dafür ist eine umfassende Analyse der Kundendaten und deren Kaufverhalten.

Keine Zollgebühren

Das macht dem deutschen Handel zunehmend Sorge. Schließlich bezahlt der Kunde bei einem Einkauf bei Temu von unter 150 Euro keinen Zoll. Das Preisargument erscheint angesichts der Inflation unschlagbar, das könnte früher oder später auch Amazon treffen. Schließlich zeigt sich, dass die Schnittmenge zwischen beiden Anbietern in bestimmten Produktkategorien sehr hoch ist.

Schon fordert der deutsche Handel von der Politik Maßnahmen gegen den ihrer Meinung nach unfairen Wettbewerbsvorteil. China galt früher als Entwicklungsland und genießt daher weltweit noch immer einen finanziellen Vorteil beim Porto.

Angesichts des enormen Tempos beim Wachstum kann man daher davon ausgehen, dass Temu auch in diesem Jahr den Onlinehandel aufmischen wird.