Die Steuer-Schlinge um Bitcoin & Co zieht sich zu

Georg Steiner
| 3 min read

Lange Zeit betrachteten Politik und Zentralbanken die Entwicklungen der Kryptowährungen wie Bitcoin als exotische Ausnahmeerscheinung. Entweder erkannten die Akteure nicht die Bedeutung oder sahen diese lediglich als Modeerscheinung. Doch das ändert sich gerade. Nicht nur die Europäische Zentralbank hat ihre Meinung geändert, sondern auch die Politik.

Bild. Pixabay

Bitcoin & Co werden erwachsen und ziehen immer mehr Aufmerksamkeit nach sich. Das macht aus Sicht der Verantwortlichen eine Regulierung unumgänglich. Gleichzeitig wittern die Steuerbehörden das große Geschäft und wollen ihren Anteil vom Kuchen haben. Das lässt erwarten, dass die Zeit der Unabhängigkeit bald vorbei sein wird.

Vom freien Spiel der Kräfte zu staatlicher Kontrolle?

Digitale Währungen wurden ursprünglich mit dem Ziel erschaffen, eine dezentrale Währung zu kreieren, die von staatlicher Kontrolle und Beeinflussung unabhängig agieren kann. Der Wert von Bitcoin sollte sich ausschließlich aus dem freien Spiel der Kräfte am Markt errechnen. Welche Auswirkungen dies haben kann, konnten Beobachter in den letzten Jahren hautnah miterleben. Der Kurs der von Satoshi Nakamoto erfundenen Kryptowährung erlebte mehrere Kurssprünge, die ihresgleichen suchten.

Doch selbst seit dem letzten Absturz von vor wenigen Monaten hat sich Bitcoin wieder tadellos erholt und steht aktuell bei einem Kurs von fast 50.000 Dollar. Damit hat die Währung bewiesen, dass sie selbst härteste Zeiten überstehen kann. Längst ist die Investition in Kryptowährungen keine Angelegenheit mehr, mit der sich ausschließlich Spekulanten oder Freak beschäftigen. Große Unternehmen befassen sich mit dem Thema, Geldverwalter nutzen Kryptowährungen, um ihr Portfolio besser diversifizieren zu können. Damit rücken die dezentralen Währungen ins Blickfeld der Regulatoren und Steuerverantwortlichen.

2023 wird es ernst

Bisher wurde die Steuerpflicht in Europa für den Handel mit Kryptowährungen nicht so intensiv eingefordert, wie in vielen anderen Bereichen. Doch das könnte sich nun bald ändern. Die Behörden haben nicht nur technisch aufgerüstet, sondern sind nun offenbar auch entschlossen diese Geldquellen zukünftig anzuzapfen.

Für das dritte Quartal dieses Jahres hat die EU-Kommission angekündigt, den automatischen Informationsaustausch aus Krypto-Anlagen und digitales Geld auszuweiten. Die Umsetzung dieses Vorhabens ist bereits für den Beginn des Jahres 2023 geplant. Dann erhalten die Steuerbehörden in Deutschland und Resteuropa Zugriff auf jene Informationen, die sie benötigen. Das könnte für viele Kryptoenthusiasten ein böses Erwachen bedeuten. Denn man kann davon ausgehen, dass spätestens ab diesem Zeitpunkt Steuerforderungen am Horizont erscheinen werden.

Transparenz bis auf die Ebene der einzelnen Transaktion

Immerhin geht es laut Ansicht der Behörden um ein Milliardenvolumen an Steuern. Zuletzt haben die Spezialisten für Krypto-Steuererklärung und Portfoliotracking, Blockpit, die Dr. Andres Rechtsanwaltsgesellschaft mbH und das Frankfurt School Blockchain Center ein Volumen von 1,28 Milliarden Euro an Steuern auf Krypto-Assets für das Jahr 2020 in Deutschland errechnet. Setzt die EU ihre Pläne um, dann sind ab 2023 alle Finanzdienstleister verpflichtet, ihre Daten bis hinunter auf die Transaktionsebene offenzulegen.

Das Bundesfinanzministerium arbeitet bereits an einer Richtlinie zur Versteuerung von Einnahmen in den Bereichen Staking und Mining. Damit orientiert sich Europa an einer Entwicklung, die in den USA bereits 2018 begonnen hat. In Deutschland und Österreich gilt der Handel mit Kryptowährungen noch als privates Veräußerungsgeschäft. Ist zwischen Kauf und Verkauf weniger als ein Jahr vergangen, dann wird der Gewinn steuerpflichtig.

Das Ende der Anonymität?

Experten gehen derzeit davon aus, dass die Umsetzung der geplanten EU-Richtlinie die derzeitige Anonymität der Wallets aufheben wird. Kommt es bei der Eröffnung von Konten auf einer regulierten Börse zu einer verpflichtenden Feststellung der Identität, dann sind ab diesem Zeitpunkt alle Transaktionen nachvollziehbar. Dabei sollte jeder bedenken, dass die Verjährungsfristen von bis zu zehn Jahren auch alte Transaktionen sichtbar machen werden.

Der weltweite Kryptomarkt ist laut Schätzungen aktuell bis zu 2.000 Milliarden Dollar groß. Während manche Länder wie China auf Verbote setzen, versuchen die USA und bald auch Europa die Innovation nicht abzuwürgen, sondern möglichen Missbrauch zu verhindern. Die Argumente für eine verstärkte Regulierung kommen Beobachtern bekannt vor.

Der digitale Euro kommt

Die Politik gibt vor, Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Finanzkrisen verhindern zu wollen. Gleichzeitig arbeitet jedoch die Europäische Zentralbank an der Schaffung eines digitalen Euros. Hier sehen Beobachter die Gefahr einer mittelfristigen Abschaffung des Bargeldes. Das bestreitet die EZB zwar öffentlich, doch dieser Schritt würde zwangsläufig zu einer vollständigen Überwachung der Bürger führen.

Gleichzeitig bestünde die Gefahr von finanziellen Restriktionen, die sich dann auf Knopfdruck realisieren lassen würden. Daher gilt es nun die weiteren Entwicklungen genau zu beobachten. Immerhin haben die letzten zwei Jahre gezeigt, wie schnell Einschränkungen der persönlichen Freiheit umgesetzt werden können.

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