02 Okt 2021 · 5 min read

Die EZB geht in Konkurrenz zu Bitcoin, Ethereum und Ripple

Als Satoshi Nakamoto Bitcoin erfand, setzte er sich damit hohe Ziele. Die digitale Währung sollte den Menschen die Kontrolle über ihr Vermögen zurückgeben. Finanztransaktionen sollten sicher, anonym und ohne Einbindung Dritter möglich werden. Der Kurs wird von Angebot und Nachfrage gebildet und ist daher unabhängig vom politischen Gestaltungswillen und Einflussnahme. Die Geldmenge ist begrenzt und kann daher nicht beliebig erweitert werden.

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Doch die Regierungen dieser Welt haben die Gefahr, die von digitalen Währungen für sie ausgehen könnte, erkannt. Bestes Beispiel dafür ist die Europäische Zentralbank. Sie arbeitet längst an der Einführung eines digitalen Euro. Die Auswirkungen einer solchen Einführung könnten dramatisch für Europa werden.

Das Projekt digitaler Euro hat begonnen

Bereits im Juli hat der Rat der Europäischen Zentralbank beschlossen eine Untersuchungsphase zum digitalen Euro einzuläuten. Damit gehen die Vorbereitungen in die nächste Runde. Einen ersten Bericht über das Projekt gab es schließlich schon vor neun Monaten. Präsidentin Christine Lagarde gab an, damit Privatpersonen und Unternehmen Zugang zu Zentralbankgeld geben zu wollen.

Doch wollen die Bürger dies auch? Immerhin befinden sich die Währungshüter theoretisch zwar nicht unter der Kontrolle der Politik, faktisch jedoch sehr wohl. Nicht umsonst stützt die EZB den Euro wo sie nur kann und lässt zu, dass die eigentlich ursprünglich ausgeschlossene Finanzierung von Staaten über Umwege stattfinden kann.

Der Überwachung wird Tür und Tor geöffnet

Wie gewohnt begründet die Europäische Zentralbank ihre Aktivitäten mit dem Kampf gegen Geldwäsche und mit einem Beitrag zur Finanzstabilität. Die endgültige Entscheidung über die Einführung eines digitalen Euro ist zwar noch nicht gefallen, doch man kann davon ausgehen, dass der Zug bereits abgefahren ist.

Gleichzeitig betonten die Währungshüter, dass mit einer möglichen Einführung das Bargeld nicht gefährdet sei. Der digitale Euro solle dieses lediglich ergänzen, jedoch nicht ersetzen. Doch nicht nur Privatpersonen fürchten bereits jetzt die Einführung eines digitalen Abbilds der Gemeinschaftswährung, sondern auch die Banken selbst.

Die Banken zittern

Schließlich würde damit die EZB in direkte Konkurrenz mit den Geschäftsbanken treten. Diese kämpfen bereits jetzt mit den niedrigen Zinsmargen und haben Probleme ihr Geschäftsmodell aufrechtzuerhalten. Tritt die EZB selbst am Markt auf, gibt es für Kunden keinen Grund mehr den Umweg über die Banken zu nehmen. Privatpersonen und Unternehmen könnten sich ihr Geld direkt bei der EZB besorgen.

Doch das erscheint angesichts des immer weiter ausgehöhlten Datenschutzes im Finanzsystem noch das geringste Problem eines digitalen Euros zu sein. Schließlich birgt er die Gefahr einer vollständigen Überwachung. Die Transparenz und der mögliche Zugriff auf die Finanzierung der höchstpersönlichen Lebensgewohnheiten könnten für die europäische Politik mittelfristig einfach zu verlockend zu sein, um sie nicht für sich zu nutzen.

Totschlagargument Umweltschutz?

Die EZB zeigt sich jedenfalls von ihrem Projekt überzeugt. Sie spricht von Datenschutz, Bekämpfung der Geldwäsche und erstaunlicherweise von einer Limitierung der Geldmenge. Dass ausgerechnet ein digitaler Euro das umsetzen soll, was bei seinem großen Bruder auf gedrucktem Papier so gar nicht passiert, ist allerdings eine mutige Ansage.

Natürlich wird die technische Architektur des digitalen Euro auch die Umwelt schonen. Der Energieverbrauch soll laut Angeben der Europäischen Zentralbank im Vergleich zu Kryptowährungen wie Bitcoin vernachlässigbar sein. Damit liegen die Argumente, mit denen die EZB zukünftig gegen die bestehenden digitalen Währungen vorgehen möchte, bereits auf der Hand.

Kampf um die Kontrolle

Dass die Transformation von Papiergeld hin zu digitalem Geld Tempo aufgenommen hat, überrascht nicht. Schließlich hat der Markt nicht geschlafen. Was mit dem Whitepaper von Satoshi Nakamoto im Jahr 2008 begonnen hat, ist längst ein eigener Währungsmarkt geworden. Die EZB befürchtet offenbar die Kontrolle über ihre Währung zu verlieren. Schließlich agieren Bitcoin, Ripple, Ethereum und andere digitale Währungen abseits der staatlichen Ordnungsmächte.

In China ist der digitale E-Yuan längst Bestandteil der staatlichen Überwachung. Während in Ländern wie Schweden das Bargeld immer weiter zurückgedrängt wird, legen Deutsche und Österreicher noch immer massiven Wert auf Cash. Dieses garantiert immerhin Privatsphäre und Freiheitsrechte. Doch der Anteil jener, die dies unterschreiben würden, sank zuletzt deutlich. Viele Bürger wünschen sich jedoch, dass Bargeld weiterhin bestehen bleibt und erhoffen sich eine digitale Ergänzung.

Wer gewinnt das Match?

Setzt die EZB wie erwartet ihr Pläne in den nächsten Jahren um, dann kommt es zu einem spannenden Match zwischen den „privaten“ und „staatlichen“ digitalen Währungen. Doch dieses kann nur dann mit fairen Mitteln entschieden werden, wenn Fair Play besteht. Greifen die Staaten zu drastischen Regulierungsmaßnahmen, die im schlimmsten Fall bis zu einem Verbot gehen, dann ist die letzte Chance auf eine Währung verspielt, die frei von staatlichen Eingriffen existiert.

Angesichts der Umstände sind die Einschätzungen von Experten dementsprechend unterschiedlich. Sie reichen vom Untergang der Kryptowährungen bis hin zu gigantischen Höhenflügen. Ray Dalio, Milliardär und Investor von Bridgewater Associates, gibt schon seit längerer Zeit den Dr. Doom. Er sieht nach wie vor die Gefahr, dass Bitcoin von den Behörden gestoppt wird. Dies wird seiner Ansicht nach dann passieren, wenn die Kryptowährung zu erfolgreich wird. Nichtsdestotrotz hat er selbst einen kleinen Anteil von Bitcoin in seinem Portfolio.

Unterschiedliche Einschätzungen zu Chancen und Risiken

Andere Investoren sehen im Gegensatz dazu weiterhin großes Kurspotenzial in der Kryptowährung Nummer 1. Sie halten einen Kurs von 100.000 Dollar mit Jahresende oder mit Beginn des nächsten Jahres durchaus für möglich. Diese divergierenden Einschätzungen zeigen, dass Kryptowährungen auch in Zukunft höchst volatil bleiben werden. Das haben auch die Kursänderungen der letzten Wochen nachdrücklich unter Beweis gestellt.

Unterdessen geht die Adaptierung von Bitcoin in der Finanzwirtschaft unvermittelt weiter. Seit August dieses Jahres können britische Kunden des Bezahldienstes PayPal erstmals digitale Währungen kaufen, verkaufen oder behalten. Das alles geschieht über die bereits bekannte Plattform des Zahlungsdienstleisters. Damit machen digitalen Währungen einen weiteren großen Schritt in Richtung Alltag. Das Tempo, das digitale Währungen im Kampf um die Eroberung der Finanzmärkte an den Tag legen, bleibt also weiterhin hoch.

 

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